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Hoffnungsträger oder Konkurrenz? Experten untersuchen Ausbreitungspotenzial der Robinie

Die Dr.-Silvius-Wodarz-Stiftung hat die Robinie (Robinia pseudoacacia) zum Baum des Jahres 2020 erkoren. Am 25. April, dem Internationalen Tag des Baumes, rückt die Robinie einmal mehr ins Blickfeld.

Ihr rasches Wachstum auf nährstoffarmen Böden, ihre Toleranz gegenüber Hitze, Trockenheit und Emissionen und ihr hartes, witterungsbeständiges Holz rücken die Robinie (Robinia pseudoacacia) in die Reihe der aussichtsreichen Baumarten für den klimaangepassten Wald. Aus dem Blickwinkel des Naturschutzes gelten Robinien wegen ihres beachtlichen Ausbreitungspotenzials allerdings als invasive Art. Ob die zum Baum des Jahres 2020 ausgerufene Robinie künftig eher als Hoffnungsträger oder als Konkurrent gesehen wird, das wird auch von den Ergebnissen eines Forschungsprojektes abhängen, das das Invasivitätspotenzial der Robinie für naturschutzfachlich wertvolle Flächen unter die Lupe nimmt.

Nordamerikanische Schönheit vor fast 400 Jahren nach Europa verpflanzt

Die den Gebirgswäldern des östlichen und des zentralen Nordamerika entstammende Robinie besticht mit markanter Schönheit. Wohl deshalb sind um 1630 erste Exemplare aus den nordamerikanischen Kolonien nach Europa verpflanzt worden.
In Paris etwa soll der Botaniker und Hofgärtner Jean Robin die neue Baumart – in der seinerzeit verbreiteten Annahme, es handle sich um nordamerikanische Akazien – in den just fertiggestellten Botanischen Garten gesetzt haben. In Deutschland fand man den sommergrünen Laubbaum mit seiner tief gefurchten Borke, den gefiederten Blättern und den stark duftenden weißen Blütentrauben 1670 zuerst im Barockgarten des Berliner Stadtschlosses und bald darauf in immer mehr Parks und Botanischen Gärten.
Erst gut hundert Jahre später führte der schwedische Botaniker Carl von Linné, nachdem er den Unterschied zur Akazie wissenschaftlich herausgestellt hatte, die Gattung unter dem Namen Robinia 1753 in seine Systematik ein – in memoriam Jean Robin.

Stickstoffselbstversorgerin verändert Bodenbeschaffenheit

In Deutschland kamen die schnellwüchsigen Scheinakazien Mitte des 18. Jahrhunderts als schattenspendende Alleebäume an Landstraßen in Mode. Etwa fünf Jahrzehnte später setzte man bei Aufforstungen auf sandigen Böden am Oberrhein oder in Ostbrandenburg und südlich Berlins ebenfalls auf die unkomplizierte Robinie. Nach Kriegsende 1945 tat sich die Baumart ein weiteres Mal als Pionierin hervor, die verödete Flächen zügig besiedelt und deren zähes Holz nicht nur witterungsbeständig ist, sondern gar mit höherem Heizwert punktet als Hainbuchen- oder Eichenhölzer.

Doch während die Lichtliebende in ihrem Ursprungsgebiet nach zwanzig, dreißig Jahren von dortigen Baumarten überschattet und zurückgedrängt wird (so wie man es hier von Birke, Ahorn oder Pappel kennt), gibt die Meisterin der Ausbreitung – sie vermehrt sich über Aussaat und Wurzelbrut – den hier heimischen Arten den eroberten Raum keineswegs zurück. Denn Robinien verändern die Bodenbeschaffenheit: Die zu den Schmetterlingsblütlern zählende Art kann über symbiotisch an ihren Wurzeln lebende Knöllchenbakterien Luftstickstoff im Boden speichern.

Mit ihrer Stickstoff-Selbstversorgerstrategie kann die Robinie den Nährstoffhaushalt an trockenen, humus- und stickstoffarmen Standorten irreversibel verändern. Für Arten, die sich auf solche Ansprüche spezialisiert haben – etwa in Magerrasen-, Kalkmagerrasen- der Sandtrockenrasen-Biotopen –, kann das Einwandern der Robinie das Aus bedeuten.

Managementplan zur Bewirtschaftung von Robinienbeständen entsteht

In Brandenburg, wo an die 1700 Robinienbestände eine Fläche von mehr als 10.000  Hektar einnehmen, untersuchen gegenwärtig Experten des Forschungsinstitutes für Bergbaufolgelandschaften e. V. Finsterwalde das Potenzial der unter anderem vom Bundesamt für Naturschutz als invasiv eingeschätzten Pionierbaumart.

Beispielsweise wird die räumliche und zeitliche Ausbreitung des „Einwanderers“ in bereits eroberte Trockenrasengebiete rekonstruiert; ergänzend werden Faktoren identifiziert, die die Besiedelung anderer Flächen durch die Scheinakazie bisher verhinderten. Zudem wird untersucht, wie sich der biochemische Zustand des Bodens und die lichtökologischen Verhältnisse vormals nährstoffarmer Offenlandflächen durch die Ausbreitung der Robinie verändert haben.

Am Ende des aus dem Waldklimafonds finanzierten Forschungsprojektes InvaRo steht die Entwicklung von Managementstrategien zur naturschutzkonformen Bewirtschaftung von Robinienbeständen. Dazu gehören auch Empfehlungen, welche Mindestabstände zu naturschutzfachlich sensiblen Biotopen sinnvoll sind und in welchen Fällen ein Zurückdrängen der Baumart erforderlich werden könnte.
 

HINTERGRUND:

Der internationale Tag des Baumes geht auf den amerikanischen Journalisten Julius Sterling Morton zurück, der bereits im 19. Jahrhundert per Resolution die Regierung von Nebraska aufforderte, einen „Tag des Baumes“ auszurufen. Per Gesetz wurde daraufhin ab 1885 der 25. April zum „Tag des Baumes“ erklärt und jährlich Millionen neuer Bäume gepflanzt.

In Deutschland wurde dieser symbolhafte Tag erstmals am 25. April 1952 begangen, als der Bundespräsident Theodor Heuss und der Präsident der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Bundesminister Robert Lehr, einen Ahorn im Bonner Hofgarten pflanzten. Seither gibt es an diesem Datum in vielen Städten und Gemeinden öffentliche Feierstunden, in deren Mittelpunkt die feierliche Pflanzung von Bäumen steht.

Ein Zeichen für den Wald

Damit soll auf die Bedeutung des Waldes für Mensch, Umwelt und Wirtschaft hingewiesen werden. Mittlerweile entwickelte sich so eine der größten Mitmachaktionen im Naturschutz, mit der ein deutliches Zeichen für den Wald und die Zukunft gesetzt werden soll.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützt den Internationalen Tag des Baumes. Die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, ist Schirmherrin für den Baum des Jahres 2020, die Robinie.

Weitere Informationen:

Forschungsprojekt InvaRo

https://www.waldklimafonds.de/


Ansprechpartner:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.

Dr. Guido Schwichtenberg
g.schwichtenberg(bei)fnr.de
Tel.: 03843-6930-342


Pressekontakt:

Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Martina Plothe
Tel.: +49 3843 6930-311
m.plothe(bei)kiwuh.fnr.de

Die Robinie wurde zum Baum des Jahres 2020 ausgerufen. Rund 350 Jahre ist das Gewächs aus Amerika auch in Deutschland verbreitet. Foto: A. Roloff / Dr. Silvius Wodarz Stiftung Baum des Jahres; www.baum-des-jahres.de
Die Robinie wurde zum Baum des Jahres 2020 ausgerufen. Rund 350 Jahre ist das Gewächs aus Amerika auch in Deutschland verbreitet. Foto: A. Roloff / Dr. Silvius Wodarz Stiftung Baum des Jahres; www.baum-des-jahres.de
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